Ein neues Hofzimmer wird als eigenständiger Raum im Raum gedacht – eine leichte, transparente Struktur, die den historischen Kutschenhof bewahrt und zugleich neu aktiviert. Aus den Geometrien und Spuren des Bestands entwickelt sich ein zurückhaltendes Volumen als verbindendes Element zwischen Kultur, Garten und Öffentlichkeit.
Invitarium Hofburg - Das Hofzimmer
TYPOLOGIE Kultur, öffentliche Plätze, Ausstellung, Museum
STATUS Wettbewerb, 3° Preis
ORT Brixen, Italien
JAHR 2026
AUFTRAGGEBER Hofburg Brixen
DESIGN TEAM Ulla Hell, Holger Kehne, Peter Pichler, Niccolò Dal Farra, Hannes Rabensteiner
COLLABORATORS Michael Purzer, Andreas Erlacher
Der Wettbewerb sieht die Entwicklung eines gemeinsamen Eingangs – und Aufenthaltsbereiches für die musealen Einrichtungen der Hofburg und des Hofburggartens vor. Ergänzt durch ein öffentliches Restaurant sowie einen Museumsshop entsteht ein zentraler Ankunfts- und Begegnungsort für Besucher*innen.
Der Entwurf versteht den Kutschenhof als eigenständigen, historisch gewachsenen Raum und ergänzt ihn behutsam um ein neues Hofzimmer für Hofburg und Hofgarten. Eine neue, leichte Struktur fügt sich als zeitgenössische Schicht ein: diese wird nicht als klassische Überdachung gedacht, sondern als eigenständiges Volumen, das sich klar vom Bestand absetzt und dessen Integrität wahrt. Der Eingriff erfolgt ohne Substanzverletzung und bleibt vollständig reversibel – konstruktiv so gefügt, dass er jederzeit zurückgenommen werden kann.
Der Hof bleibt als solcher erkennbar, in seiner räumlichen und historischen Bedeutung erfahrbar. Es entsteht ein Raum, der sich im Sinne eines Invitariums versteht: ein vermittelnder Ort zwischen Innen und Außen, zwischen Garten und Ausstellung, der den Hof in seiner Lesbarkeit erhält und zugleich eine neue Form der Aneignung ermöglicht – offen, einladend und der Zukunft zugewandt.
Der Raum und seine Wirkung werden über die subtile, aber dennoch expressive Geometrie des Daches bestimmt: Parapet- bzw. Gesimshöhen der Bestandsmauern definieren horizontale Trauflinien, die Richtung der Zugänge informieren die Ausrichtung des Rasters, Dachschrägen der seitlichen Einbauten sowie Entwässerungsrichtung bestimmen Neigungen. Es entsteht ein für sich stehender Raum, der sich aus dem Bestand informiert, aber dennoch ein völlig eigenständiges Raumgefühl vermittelt.
Die Tragstruktur des Hofzimmers bleibt als eigenständige Schicht lesbar. Eine minimale Stahlkonstruktion mit wenigen, präzise gesetzten Stützen ermöglicht einen großzügigen, stützenfreien Raum und wahrt die Distanz zum historischen Bestand. Die leichte Gitterrostdecke bildet dabei eine horizontale Ebene, die dem Raum Halt gibt, ohne ihn zu beschweren.