Fliessende Staedte, gefaltete Raeume

Das Londoner Architekturbuero Plasmastudio zeigt sich in Berlin

Umgeknickt und vielfach gefaltet praesentieren sich die Modelle des jungen Londoner Architekturbueros Plasmastudio in der Galerie Suitcasearchitecture unter dem Titel "engaging topographies". Es sind komplexe Raumlandschaften, die der Deutsche Holger Kehne und die Argentinierin Eva Castro entwickeln (Choriner Strasse 54. bis 5. 11).

Auf den ersten Blick besitzen ihre Arbeiten etwas Artifizielles, auf den zweiten wird deutlich, wie sehr sie ihre Raumkonzepte aus den Beduerfnissen der Nutzer entwickeln. Ein solcher Ansatz hat Tradition, fuehrt zurueck bis auf die Organische Architektur eines Hugo Haering und Hans Scharoun. Mit zeitgenoessischem Baumaterial koennen solche vielschichtigen Raumgefuege weit komplexer gestaltet werden, aIs dies vor 40 Jahren moeglich war - zur Bluetezeit der Organischen Architektur.

So praesentieren sich die Arbeiten von Plasmastudio denn auch ueberraschend unkonventionell. Etwa der Umbau eines Londoner Geschaeftes zum Wohn- und Geschaeftsraum einer Silberschmiede: Eine Spirale aus Gitterrosten wurde in die Raumstruktur eingefuegt und verknuepft die Raumebenen, so dass der Geschaeftsbereich in die Wohnung uebergeht. Eine vielschichtige Architektur entsteht. die trotz der rauen Baumaterialien nicht ihre skulpturale Gesamtwirkung verleugnen.

Fuer einen anderen Londoner Ladenumbau konstruierte Plasmastudio eine mehrfach geknickte Glaswand, durch deren Spiegelungen die dynamische Wirkung des Strassenverkehrs vor dem Laden gesteigert wird.

Solche Motive finden sich auch in Wettbewerbsentwuerfen fuer den Umbau des Salzburger Mozarteums und das Ozeaneun, in Stralsund: fliessende Raeume, jenseits der klaren Kuben der Klassischen Moderne. Stattdessen verleihen gefaltete Raumkanten den Innenraeumen charakteristische Struktur: Akzente, durch die der Besucher durch die Raeume geleitet wird.

JUERGEN TIETZ